Die Prophezeiungen von Celestine by James Redfield

Die Prophezeiungen von Celestine by James Redfield

Author:James Redfield [Redfield, James]
Language: deu
Format: epub
ISBN: 9783548741192
Publisher: Ullstein Taschenbuchvlg.
Published: 2004-08-01T22:00:00+00:00


Die Klärung der Vergangenheit

Vor uns verengte sich die Straße und beschrieb eine scharfe Kurve um den nackten Fels. Der Wagen holperte über einige riesige Steine und bewegte sich dann langsam um die Biegung. Unter uns erhoben sich in massivem Grau die Anden und schoben ihre Gipfel durch schneeweiße Wolkenbänke.

Ich warf einen Blick auf Sanchez. Angespannt hatte er sich über das Lenkrad gelehnt. Fast den ganzen Tag waren wir steil gegen den Berg angefahren und hatten uns durch schmale Passagen zwischen

herabgefallenen Felsstücken hindurchmanövriert.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, das Gespräch über Kontroll-Dramen ein wenig zu vertiefen, doch schien die Zeit dafür denkbar unpassend. Sanchez schien jedes Quentchen seiner Energie zu benötigen, um den Wagen zu lenken, und davon abgesehen wußte ich auch nicht genau, was ich fragen wollte. Ich hatte den Rest der Fünften Erkenntnis gelesen und war dort auf die gleichen Punkte gestoßen, die Sanchez zuvor angesprochen hatte. Der Gedanke, meine Kontrollmechanismen loszuwerden, war zwar verlockend, besonders wenn es mir helfen würde, meine eigene Entwicklung zu beschleunigen, doch hatte ich bisher immer noch nicht verstanden, wie ein Kontroll-Drama funktionierte.

»Woran denkst du?« fragte Sanchez.

»Ich habe gerade die Fünfte Erkenntnis zu Ende gelesen und dabei an die Dramen denken müssen. Sie sind also der Ansicht, mein Drama habe etwas mit meiner Unnahbarkeit zu tun?«

Er antwortete nicht. Statt dessen starrte er vor sich auf die Straße. Dreißig Meter vor uns versperrte ein großer Geländewagen den Weg. Ein Mann und eine Frau standen auf einem Felsen, ungefähr fünfzehn Meter von ihrem Wagen entfernt. Sie sahen uns kommen und erwiderten unsere Blicke.

Sanchez brachte den Wagen zum Stehen und musterte die beiden kurz, dann lächelte er. »Die Frau kenne ich«, sagte er. »Ihr Name ist Julia. Sie ist in Ordnung. Steigen wir aus und sprechen mit den Leuten.«

Der Mann und die Frau hatten beide dunkle Haut und Haare und schienen peruanischer Abstammung zu sein. Die Frau war älter, um die Fünfzig, der Mann sah aus wie dreißig. Während wir unseren Wagen verließen, kam die Frau auf uns zu.

»Pater Sanchez!« sagte sie im Gehen.

»Wie geht es dir, Julia?« antwortete Sanchez. Die beiden umarmten sich, dann stellte Sanchez mir Julia vor, und sie machte uns mit ihrem Reisegefährten, Rolando, bekannt.

Ohne ein weiteres Wort wandten Julia und Sanchez sich ab und gingen zu der Stelle, wo eben noch Julia mit Rolando gestanden hatte. Rolando sah mich mit intensivem Blick an, und einem inneren Antrieb folgend, wandte ich mich ab und folgte den beiden anderen. Rolando kam hinter mir her und sah mich immer noch an, als wolle er etwas von mir. Obgleich sein Haar und seine Züge ihn jugendlich erscheinen ließen, hatte er ein mir unangenehmes rötliches Gesicht. Aus irgendeinem Grund wurde ich in seiner Gegenwart unruhig.

Auf unserem Weg zum Abgrund machte er mehr-

mals Anstalten, das Wort an mich zu richten, doch ich vermied jedes Mal den Blickkontakt und be-schleunigte meine Schritte. Er schwieg. Als wir den Abgrund erreicht hatten, setzte ich mich so auf einen schmalen Felsvorsprung, daß er sich nicht neben mich setzen konnte. Etwa zehn Meter über mir be fanden sich Julia und Sanchez und saßen gemeinsam auf einem großen Felsen.



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